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Emmericher Feuerwehrmann verliert bei Arbeitsunfall Teil seines Fußes Dank eines speziellen Stiefels kann er wieder zu Einsätzen ausrücken

By 24. Oktober 2019Dezember 16th, 2019Aktuelles

Bei einem Arbeitsunfall im August 2016 hat Sebastian Braam einen Teil seines Fußes verloren. Zunächst befürchtete der Feuerwehrmann nun nicht mehr zu Einsätzen ausrücken zu können. Dank eines speziell angefertigten Stiefels kann der Emmericher nun aber wieder uneingeschränkt mitmachen.

 

Der schwerste Moment für Sebastian Braam war es, seinen Eltern zu sagen, dass ein Teil seines Fußes amputiert werden müsse – ein tränenreicher Augenblick im Frühherbst 2016. Der wirkt weit weg, wenn man den 28-Jährigen heute trifft. Er wirkt positiv, ja strahlt. Einen großen Anteil daran hat das Engagement des Emmerichers als Feuerwehrmann. Denn zum einen haben ihn die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Emmerich nach dem Unfall tatkräftig unterstützt. Und zum anderen hat Braam einen speziellen Feuerwehrstiefel bekommen, der es ihm ermöglicht, wieder an Einsätzen teilzunehmen.

Im August 2016 war der Niederrheiner Opfer eines Arbeitsunfalls geworden: Damals stürzte eine tonnenschwere Staplerbatterie auf seinen linken Fuß. Die Stahlkappe des Arbeitsschuhes konnte das nicht abfangen. „Ich hatte Quetschungen und Brüche“, erzählt Braam. Der Versuch, den Fuß mit Operationen und Fixateuren zu retten, scheiterte; Mittelfuß und Zehen mussten amputiert werden.

„Ich dachte, das war es“, blickt der 28-Jährige zurück. „Keine Feuerwehr-Einsätze mehr. Kein Motorradfahren mehr. In der Reha sagten sie dann, sie würden alles tun, dass ich bei der Feuerwehr bleiben kann. Die Berufsgenossenschaft wollte sich dafür einsetzen, dass ich mein Leben so gestalten kann wie zuvor.“ Das machte ihm Mut. Jeden Tag schauten die Feuerwehr-Kameraden im Spital vorbei. „Das war eine tolle Unterstützung“, sagt Braam. Mit schwarzem Humor lenkten die Kollegen seine Gedanken in die richtige Richtung. Heute macht Braam gerne Sprüche über seinen Fuß: „Was weg ist, kann nicht wehtun.“

Mit einer Fahrzeugkolonne holten die Kameraden Braam vom Krankenhaus ab. Der stellvertretende Wehrleiter Martin Kroll sagt: „Für uns war es auch sofort klar, dass wir Sebastian die weiteren Einsätze ermöglichen wollen.“ Bei einem Hersteller von Feuerwehrstiefeln fragten die Kameraden an, ob er in Zusammenarbeit mit einem Orthopäden einen Stiefel entwickeln könne. Prüfungen der Hitzebeständigkeit, der Antistatik und der Kälteisolierung hätten je rund 250 Euro gekostet; die Berufsgenossenschaft hätte das bezahlt. Doch dann zog sich der Hersteller zurück. „Da waren wir sehr enttäuscht“, erzählt Kroll.

Dann aber ergab sich ein Kontakt zur Schuhfabrik EWS aus Eisleben. In Kooperation mit dem Orthopädie-Schuhtechnik-Unternehmen Pedivit aus Bocholt und der ambulanten orthopädischen Reha in Gelsenkirchen, die Braam betreute, wurde der spezielle Feuerwehrstiefel entwickelt.

Die beteiligten Unternehmen haben auch das Marketing-Potenzial einer solchen Entwicklung erkannt. Demnächst könnte Sebastian Braam als Mut machendes Beispiel auf Messen als Ansprechpartner gefragt sein. Genau das ist für ihn eine enorme Motivation, seine Geschichte öffentlich zu erzählen. Er sagt: „Ich möchte anderen Menschen zeigen, dass es geht.“

Seit gut einem Jahr trägt der Emmericher nun den Stiefel im Feuerwehr-Einsatz. Zuvor konnte er mithilfe von Arbeitsschuhen eingeschränkt Dienst tun. Jetzt ist er wieder voll dabei: „Es war genial, das erste Mal wieder mitzufahren“, berichtet Braam. Wegen der Druckbelastung sei es etwas anstrengender als vorher, aber es funktioniere. Und im Einsatz griffen die Automatismen; alles andere werde dann ausgeblendet.